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Recherchescout - Pressemeldung vom 6. September - Zwischenbilanz: Journalisten behalten mit Prognosen vom Jahresanfang oftmals Recht

 

 

VW und Trump schreiben 2017 wie erwartet täglich besonders viele Schlagzeilen / Bundestagswahlen werden als wichtigstes Medienthema gesehen / Air Berlin, Kim Jong-un und Boris Becker hatten Journalisten jedoch weniger auf dem Radar

München 6. September 2017. Das Jahr ist zwar noch lange nicht vorbei – in einigen Punkten behalten die Jahresanfang im Zuge des MEDIA DELPHI 2017 (http://www.recherchescout.com/media-delphi-2017/) befragten Journalisten jedoch jetzt schon Recht. So hatten Medienmacher im Bereich Wirtschaft dem Volkswagen-Konzern die meiste Berichterstattung vorausgesagt. Auch US-Präsident Donald Trump liegt ein halbes Jahr nach der Erhebung wie erwartet klar in Führung. Etwas unterschätzt haben die Journalisten allerdings, wie sehr der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un, die Fluggesellschaft Air Berlin sowie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Nachrichten schreiben werden.

Thematisch haben Journalisten zur Jahresbeginn bei der von der Medienkontaktplattform Recherchescout (www.recherchescout.com) durchgeführten Befragung die Bundestagswahl mit 75,5 Prozent als dominierenden Gegenstand der Berichterstattung eingestuft. Auf Platz 2 mit 74,8 Prozent und nur knappem Abstand haben sie die Berichterstattung zu den Entwicklungen in den USA vorhergesagt – was sich bisher mit Blick auf die Innen- und Außenpolitik als nicht falsch erwiesen hat. Auf Platz 3 der Agenda wählten sie den Themenbereich „Kampf ge­gen Terror/Innere Sicherheit“, womit sie vor dem Hintergrund der Anschläge in St. Petersburg, Barcelona und Brüssel ebenfalls Recht behalten sollten. Ob die Ausschreitungen im amerikanischen Charlottesville, der Brexit oder die Entwicklungen in der Türkei: Einen richtigen Riecher bewiesen haben Journalisten gleichfalls beim Thema „Nationalismus/Rechtspopu­lismus“, das sie mit 58,3 Prozent auf den vierten Rang der erwarteten Medienagenda prognostizierten.

Abgasskandal bleibt in den Zeitungsspalten

In der Wirtschaftsberichterstattung erwarteten Journalisten den Volkswagen-Konzern mit 72 Prozent an der Spitze. Bereits 2016 hatte sich VW mit dem Abgasskandal im Media-Delphi in Führung gefahren (knapp 70 Prozent). Auf Platz 2 der medialen Dominanz sahen mit 62,1 Prozent in 2017 viele Journalisten Facebook. Die zentrale Rolle des sozialen Netzwerkes bei Themen wie Wahlen und Rechtsruck würde nach Meinung der Medienmacher auch das Unternehmen selbst zum Gegenstadt von Artikeln und Beiträgen machen. Die Deutsche Bank, die Journalisten ebenfalls unter den Top 3 gesehen haben, hat es bisher geschafft, weniger oft in Erscheinung zu treten – allerdings ist das Jahr noch nicht vorbei. Interessanterweise hatten bereits zu Jahresbeginn immerhin auch 5,9 Prozent der Medienmacher den AWD-Gründer Carsten Maschmeyer im medialen Visier, der mit der Erscheinung des Buches "Mein Auftrag: Rufmord" des EX-Mitarbeiters Stefan Schabirosky tatsächlich Protagonist eines realen Wirtschaftskrimis per excellence geworden ist; genussvoll aufgegriffen von den Medien im Sommerloch.

In Sachen Politik erwiesen die Journalisten ebenso Treffsicherheit: 95,7 Prozent waren sich bereits Jahresbeginn sicher, dass Trump in Radio, Internet, Print und TV klar vor Merkel (77,8 Prozent) das mediale Rennen für sich entscheidet – dem Bundestagswahlkampf zum Trotz. Herausgehobene Rollen sollten den Erwartungen der Journalisten zufolge ebenso der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (50,6 Prozent) und der sozialdemokratische Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Martin Schulz (45,7 Prozent) spielen. Dass Redaktionen den nordkoreanischen Diktator Kim jong-un so oft ins Bild und in den Text hieven müssen, war für viele Medienmenschen im Januar noch nicht absehbar.

Im Bereich Kultur haben Journalisten Brad Pitt auf Platz 1 gesehen, im Sport Jogi Löw, in den Medien Jan Böhmermann. Alle Personen haben zwar bisher Nachrichten produziert, allerdings scheinen sie das mediale Ranking bisher nicht mit offensichtlichem Vorsprung anzuführen. Nicht auf der Agenda hatten sie indes Ex-Tennis-Profi Boris Becker, der jedoch auch weniger mit seinen sportlichen Leistungen auf sich aufmerksam machte im aktuellen Medienjahr.

Über Recherchescout

Die Medienkontakt-Plattform Recherchescout unterstützt Journalisten bei der Erschließung neuer Recherchequellen. Auf dem Portal können Journalisten Fragen stellen und ihr Interesse an Informationen, Gesprächspartnern oder Material zu ihrem jeweils aktuellen Thema bekunden. Auf der Plattform registrierte Pressestellen und Öffentlichkeitsarbeiter aus Unternehmen, Verbänden und Hochschulen erhalten die Anfragen. Damit können sie Informationen und Material dann anbieten, wenn Journalisten sie brauchen und erhalten eine wirksame zusätzliche Kontaktmöglichkeit zum Versand von Pressemitteilungen, Anschreiben per E-Mail oder Anrufen. Über die Annahme der Gesprächsangebote und Informationen entscheiden die Journalisten, für die die Nutzung von Recherchescout kostenlos ist. Finanziert wird das Portal über eine Gebühr, die von den registrierten Nutzern aus Pressestellen und PR-Agenturen entrichtet wird. Mittlerweile haben sich rund 2500 Journalisten bei Recherchescout angemeldet. Mehr Informationen: www.recherchescout.com

Recherche-Scout GmbH

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REPORTER OHNE GRENZEN INFORMIERT - aktuelle Pressemitteilungen

ÄGYPTEN 04.08.2017

Fotojournalist Shawkan sofort freilassen

Demonstration für die Freilassung von Shawkan © picture alliance / AP Photo

Reporter ohne Grenzen (ROG) fordert die ägyptischen Behörden auf, den Fotojournalisten Mahmud Abu Seid, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Shawkan, sofort freizulassen. Mitte August sitzt er seit vier Jahren ohne Urteil in Haft. Shawkan wurde festgenommen, während er über die Auflösung einer Pro-Mursi-Demonstration berichtete, und steht nun vor Gericht. Am Samstag (5. August) geht sein Prozess weiter.

„Seit vier Jahren muss Shawkan nun schon unter den schweren Bedingungen der Untersuchungshaft leiden. Sein Gesundheitszustand hat sich seit seiner Festnahme dramatisch verschlechtert“, sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske. „Shawkan hat nichts als seine journalistische Arbeit getan. Er muss wie alle anderen in Ägypten inhaftierten Journalisten unverzüglich freigelassen werden.“

Shawkan arbeitete als freier Fotograf unter anderem für die Agenturen Demotixund Corbis sowie für das deutsche Magazin Focus. Er wurde am 14. August 2013 in Kairo festgenommen, als er über die gewaltsame Auflösung der Protestcamps von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi berichtete. In einem Massenprozess mit mehr als 700 weiteren Angeklagten steht er seit Dezember 2015 wegen Vorwürfen wie Waffenbesitz, Teilnahme an einer illegalen Versammlung, Störung des öffentlichen Friedens, Mord und Mordversuch vor Gericht. Ihm droht die Todesstrafe.

Misshandlung in Polizeigewahrsam und im Gefängnis

Shawkans Bruder hat den Behörden eine Bestätigung der Agentur Demotix übergeben, dass er zum Zeitpunkt seiner Festnahme in deren Auftrag berichtete. Shawkans Kamera und die Fotos der Protestcamps wurden bei seiner Festnahme konfisziert.

Obwohl Shawkan von den Folgen zeitweiliger Einzelhaft und einer Hepatitis-C-Erkrankung schwer gezeichnet ist, wurde ihm eine Haftverschonung aus medizinischen Gründen bislang versagt. Die UN-Arbeitsgruppe zu willkürlicher Haft forderte im vergangenen Jahr seine sofortige Freilassung. Shawkan soll in Polizeigewahrsam und im Gefängnis wiederholt misshandelt worden sein. ROG fordert unter anderem mit einer Protestmail-Aktion seine Freilassung.

Unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat die Unterdrückung der Pressefreiheit in Ägypten erschreckende Ausmaße angenommen. Mindestens 15 Medienschaffende sitzen derzeit wegen ihrer Arbeit in Haft. Viele Häftlinge berichten von Folter und Misshandlungen, einige erhalten trotz schwerer Erkrankungen keine angemessene medizinische Versorgung. Reporter ohne Grenzen zählt Sisi zu den schlimmsten Feinden der Pressefreiheit weltweit.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Ägypten auf Platz 161 von 180 Staaten.

04.08.201704.08.2017

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TÜRKEI 28.07.2017

Freilassung von sieben Cumhuriyet-MitarbeiternDemonstration vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul © picture alliance/ZUMA PressDemonstration vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul © picture alliance/ZUMA Press

 

Reporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt das politisch motivierte Verfahren gegen 17 Mitarbeiter der regierungskritischen türkischen Tageszeitung Cumhuriyet aufs Schärfste. Zwar ordnete ein Gericht am Freitag (28.07.) die vorläufige Freilassung von sieben Mitarbeitern aus der Untersuchungshaft an, ihre juristische Verfolgung geht jedoch weiter. Vier Mitarbeiter bleiben weiterhin im Gefängnis. Ein endgültiges Urteil gegen die Angeklagten steht noch aus. Das Verfahren geht voraussichtlich am 11. September weiter.

„Trotz der angeordneten Freilassung war der Prozess gegen die Cumhuriyet-Mitarbeiter bisher an Absurdität und Willkür kaum zu überbieten. Journalisten, die nur ihre Arbeit gemacht haben, werden wie Terroristen behandelt. Mit dem Verfahren will die türkische Justiz die wenigen noch verbliebenen unabhängigen Stimmen im Land zum Schweigen bringen“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Alle Cumhuriyet-Mitarbeiter müssen freigesprochen und zusammen mit den über 160 in der Türkei inhaftierten Journalisten freigelassen werden.“

Ein türkisches Gericht entschied nach fünf Tagen Verhandlung, dass die Mitarbeiter Güray Tekin Öz, Bülent Utku, Turhan Günay, Mustafa Kemal Güngör, Musa Kart, Hakan Karasinir und Önder Çelik freigelassen werden sollen. Chefredakteur Murat Sabuncu, der Kolumnist Kadri Gürsel, Herausgeber Akin Atalay und Investigativjournalist Ahmet Sik bleiben in Haft.

Die 17 journalistischen und sonstigen Mitarbeiter stehen seit Anfang dieser Woche in Istanbul vor Gericht. Ihnen werden wegen der Berichterstattung der Zeitung Verbindungen zu verschiedenen „terroristischen“ Gruppen vorgeworfen. Den Mitarbeitern drohen bis zu 43 Jahre Haft. Cumhuriyet ist eine der ältesten Zeitungen in der Türkei und eines der wenigen noch verbliebenen unabhängigen Medien im Land.

Reporter ohne Grenzen war als Prozessbeobachter die ganze Woche vor Ort. In den Anhörungen ging es unter anderem um die redaktionelle Ausrichtung der Cumhuriyet. Die Richter thematisierten etwa die Wahl der Überschriften und stellten Fragen zum Ablauf von Redaktionskonferenzen. Angeblich sollen die Angeklagten von Personen kontaktiert worden sein, die verdächtigt werden, der Bewegung des Exil-Predigers Fethullah Gülen anzugehören. Die türkische Regierung macht die Bewegung für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich.

Am Freitag haben die Anwälte der Angeklagten ihre Freilassung gefordert. Der Anwalt des Kolumnisten Kadri Gürsel etwa kritisierte die Untersuchungshaft seines Mandanten trotz Fehlens eines konkreten Beweises in der Anklage. Alp Selek sagte, er arbeite seit fast 60 Jahren als Anwalt und habe noch nie eine so „frei erfundene Anklageschrift“ gesehen.

Seit neun Monaten in Untersuchungshaft

Erst Anfang April wurde die Anklageschrift vorgelegt. Darin wird den 17 Mitarbeitern die angebliche Unterstützung von terroristischen Organisationen vorgeworfen, darunter die Gülen-Bewegung und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Laut Anklageschrift soll sich die redaktionelle Linie von Cumhuriyet „radikal verändert“ haben, nachdem Can Dündar im Februar 2015 die Position des Chefredakteurs übernahm. Demnach habe die Zeitung danach angeblich die Ziele dieser Organisationen unterstützt.

Elf der 17 Mitarbeiter saßen sieben bis neun Monate in Untersuchungshaft. Dazu gehören unter anderem der Chefredakteur Murat Sabuncu, der Kolumnist Kadri Gürsel, der Karikaturist Musa Kart und Bülent Utku, Vorstandsmitglied der Cumhuriyet-Stiftung. Sie wurden Ende Oktober 2016 festgenommen. Der Herausgeber der Zeitung, Akin Atalay, ist seit November inhaftiert. Polizisten hatten ihn nach der Rückreise aus Deutschland am Flughafen in Istanbul festgenommen.

Am 29. Dezember wurde der bekannte Investigativjournalist Ahmet Sikverhaftet, der ebenfalls gelegentlich für Cumhuriyet geschrieben hat. Er saß bereits 2011 und 2012 ein Jahr im Gefängnis, weil er den damaligen Einfluss der Bewegung des Predigers Gülen innerhalb des Staatsapparats kritisiert hatte.

Zu den weiteren inhaftierten Cumhuriyet-Journalisten gehörten Önder Çelik, Mustafa Kemal Güngör, Hakan Karasinir, Güray Tekin Öz und Turhan Günay. Unter den Angeklagten sind zudem der Kolumnist Aydin Engin, der wenige Tage nach der Festnahme Ende Oktober aus Altersgründen freigelassen wurde und der mittlerweile im Exil lebende ehemalige Chefredakteur Can Dündar.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht die Türkei auf Platz 155 von 180 Staaten.
 
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