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5. Wochenendgeschichte 22.09.2017

Morgens? Aber nicht halb zehn in Leipzig

Fiviebert saß nackt auf der Kante seines Bettes und angelte mit den Füßen nach seinen Pantoffeln. Gähnend reckte er sich, und sah sich um. Überall lag Kleidung auf dem Boden. Viele Sachen, und das meiste davon waren eindeutig Frauensachen. Routinemäßig überprüfte er seine Umgebung. War er in seiner Wohnung? War die Brieftasche da? Hatte er Haare auf dem Kopf? Seit seiner wilden Zeit kontrollierte er das beim Aufstehen. Es war oft vorgekommen, dass er irgendwo aufgewacht war und nicht wusste wo. Das Brieftasche und Schlüsselbund fehlten, oder eine Glatze seinen Kopf zierte. Nun, heute war scheinbar alles in Ordnung. Bis auf die fremden Sachen!

Er stand auf, sortierte die herumliegende Kleidung, und besah sich sein französisches Bett. Das Laken sah furchtbar aus! An Hand der verschiedenen Sachen mussten sich zwei Frauen in der Wohnung aufhalten. Er sah in alle Ecken. Hier war keine. Er ging ins Bad, als dort Wasser rauschte. In der Wanne stand eine Frau und duschte. Eine Frau. Wo war die andere? Als die in der Wanne sich herumdrehte, erschrak er. Nun wusste er auch, wo sein Alptraum, und seine aufgeschlagenen Knie herkamen. Die Maus hatte einen herrlichen Körper, war aber grundhässlich. Ihm fiel schlagartig ein, dass er mal aufgewacht, ihr Gesicht gesehen hatte, und mit einem doppelten Salto mortale aus dem Bett gesprungen war. Aber eine ganz andere Sache quälte ihn. Wie kam diese Frau in seine Wohnung, und wo war die andere? Er gab ihr einen Kuss auf den Schenkel und bot an, ihr beim Duschen zu helfen. Sie schüttelte wie wild ihren Kopf und krächzte: „Nein, nein, nicht schon wieder!“ „Was heißt hier nicht schon wieder?“ „Ich kann immer noch nicht wieder richtig sprechen“, krächzte sie. Fiviebert wunderte sich. Was hatte einseifen mit sprechen zu tun? Er fragte: „Sag mal, wo ist die Andere hin?“ „Brötchen holen.“ Beim Aufräumen hatte er auf die Uhr gesehen. Es war 5! Da es Sommer war, war es draußen schon hell. „Wer geht denn früh um 5 Brötchen holen?“ Sie sah ihn verständnislos an. „Es ist nicht morgens um 5, es ist nachmittags!“ Er schluckte. Ging wortlos in das Wohnzimmer und sah auf die Funkuhr. 17,11 Uhr. Fiviebert begab sich wieder ins Bad. Er sagte kopfschüttelnd: „Samstagnachmittag um 5 gibt es hier auch nirgends frische Brötchen.“ Sie lachte und meinte, das habe sie nur so gesagt. Die hole Zigaretten. „Das ist eine Nichtraucherwohnung!“ „So? Komisch.“ „Was ist daran komisch?“ „Du rauchst doch wie ein Schlot.“ Schon wieder etwas Unverständliches. Er rauchte doch seit 8 Jahren nicht mehr! Ohne auf ihren krächzenden Protest zu achten, seifte er sie zügig ein. Er wollte gerade seine Wannenmasche abziehen, als es an der Haustür klingelte. Er meldete sich an der Sprechanlage. „Polizei, bitte öffnen“, sagte eine weibliche heisere Stimme. Fiviebert betätigte den Türöffner, öffnete aber nicht die Wohnungstür, sondern linste durch den Spion. Eine Frau in einem langen Jeanshemd. Sie kam zu seiner Tür und klingelte. Wer war das? Polizei, im Hemd? Er vergaß, dass er nichts an hatte und öffnete. Sie kam herein, ging an ihm vorbei ins Wohnzimmer, und legte Zigaretten und eine Schachtel Zigarren auf den Tisch. Er war ihr gefolgt und fragte: „Für wen sind die Zigarren, und wer sind sie?“ „Ich bin eine Frau, und die Zigarren sind für Dich!“ „Und wieso Polizei?“ „Du hättest doch sonst kaum aufgemacht.“ Er sah sie von oben bis unten an. Das Hemd kam ihm bekannt vor. Natürlich, es war ja auch seins. Er hatte die Ärmel über den Ellenbogen einfach abgeschnitten, als sie löchrig wurden. „Wo ist Siggi“ fragte sie.“ „Wer ist Siggi?“, fragte Fiviebert zurück. Sie sah ihn an und sagte: „Dir fehlt anscheinend der Film.“ Er nickte. Zusammen gingen sie ins Bad. Die andere, also anscheinend Siggi, trocknete sich, immer noch in der Wanne stehend, mit einem Badehandtuch ab. Die im Hemd sagte heiser: „Siggi, kannst du dir das vorstellen, Fiffi fehlt der Film. Er kennt uns nicht, und weiß nicht wie wir hierhergekommen sind!“ Die andere nickte grinsend. Die im Hemd sagte zu Fiviebert: „Du musst Siggi doch noch von Früher kennen! So ein Gesicht vergisst man nicht.“ Der heranfliegenden Handbürste wich sie geschickt aus und lachte. Er verstand immer noch nicht. „Mensch, erinnere dich! Siggi wohnt in Wahren und ihr habt's schon x-mal miteinander getrieben!“ Fiviebert fiel vor Erstaunen fast in die Badewanne. Natürlich. Wie konnte er die Maus vergessen. Die war doch scharf wie eine Rasierklinge und wild wie eine Nonne gewesen. Aber hübscher war sie nicht geworden. Sie hatte immer noch rosarote Kopfhaut. Dünne weißblonde Haare. Der Mund reichte von einem Ohr zum Anderem. Und X-er hatte sie auch immer noch. Aber wieso waren die Beiden so heißer? Und den Namen der anderen wusste er immer noch nicht. Diese knöpfte gerade das Hemd auf und zog es aus. Sie hatte nichts drunter! Er bekam Stielaugen, und fragte: „So warst du Einkaufen?“ Sie nickte lachend, und stieg in die Wanne. Er sagte laut: „Einmal einseifen bitte“, und wollte beginnen. Auch sie protestierte. Als sie fertig war, lehnte sie auch sein Angebot, ihr aus der Wanne zu helfen kategorisch ab. „Einmal reicht!“ Er sah sie jetzt einmal genau an. Beide hatten ihre Bikinizone glattrasiert. Wie er das hasste! Erstens fehlte das Schönste, und zweitens konnten sich doch auf der glatten Haut die Sexuallockstoffe nicht lange halten. Allerdings in dem Alter? Er beschloss, seinen Arzt einmal zu fragen, wann die Lockstoffe ihren Dienst einstellten. Die Frauen wollten frühstücken. Fiviebert zog seinen Hausanzug an, und bestand darauf, dass die Beiden Bademantel und Hausmantel von ihm anlegten. Siggi sagte: „Zieh nicht so viel an, wir sind noch nicht fertig!“ Beim Frühstücken erzählten sie ihm was gewesen war.
Fiviebert hörte entsetzt zu.
Er wusste nur noch, dass er Freitagnachmittag im Park spazieren gegangen war. Er hatte seinen Spaziergang immer weiter ausgedehnt, und war in einem Biergarten gelandet. Alle Tische waren besetzt. Nur an einem Tisch war noch etwas frei. Obwohl an diesem Tisch zwei Frauen saßen, hatte er nach höflicher Frage mutig Platz genommen. Nach längerer fröhlicher Unterhaltung waren sie gegangen, und Richtung Stadt spaziert. Unterwegs wurde noch eingekehrt.
Von da ab fehlte ihm der Film.
Sie hatten ihn in eine Disco geschleift. Dort hatten sie getanzt, gequatscht und geraucht. Er hätte eine Zigarre nach der anderen gequalmt. Zu später oder auch früher Stunde wollten sie nach Hause. Fiviebert wollte unbedingt noch etwas zu trinken mitnehmen, hätte aber kein Geld mehr gehabt. Als Pfand für die 2 Flaschen Wein, Málaga und Ramos Pinto, hätte er seinen Personalausweis dem Wirt gegeben. Fiviebert's Haare stellten sich auf, als die Frauen das erzählten. Unauffällig sah in seine Brieftasche. Der PA war an seinem Platz. Und Geld war auch genug da. Was erzählten die denn für Zeug? Da Fiviebert nach der Disco nicht mehr allein laufen konnte, hätten sie ihn nach Hause gebracht. Unterwegs hätte er sich soweit erholt, dass seine Unternehmungslust wieder erwachte. Die Frauen mussten zu Hause bei ihm in die Wanne und duschen. Er hätte sie eingeseift, dabei massiert, nicht aus der Wanne gelassen, und furchtbar gekitzelt. Sie hätten so gestöhnt und geschrien dass die Nachbarn an Tür und Wände geklopft hatten. Dann hätte er ihnen im Bett den Wein zuerst in den Nabel und dann woanders hin gegossen und mit einem Trinkhalm aufgesaugt. Es würde immer noch überall kleben.
Fiviebert stöhnte. Da konnte er sich von seinen Nachbarn ja was anhören.
Die andere sagte: „Ich habe vorhin etwas Geld zum Einholen genommen, das hier so rumlag. Du könntest mir mein Zeug mal wiedergeben.“ „Was für Zeug?“ Siggi sagte: „Carrys Handtasche ist doch kaputt gegangen. Du hast ihr Zeug in deine Jacke gesteckt, und wolltest die Tasche später reparieren.“ Fiviebert holte seine Jacke. Er förderte ein kleines Taschentuch, Kosmetikkrimskram und ein paar Eus zu tage. Carry fragte: „Und wo ist mein Personalausweis?“ „Hier nicht.“ Carry schluckte und fing plötzlich an zu schreien. „Du hast doch nicht etwa meinen PA dem Wirt gegeben?“ Fiviebert bot kleinlaut an, mit ihr zusammen hinzugehen. Siggi meinte, aber erst steigst du in die Wanne, und dann geht es dir schlecht! Solltest du danach noch leben, gehen wir drei zusammen hin.
Es wurde noch ein schönes abwechslungsreiches Wochenende.
Allerdings konnte Fiviebert sich nach diesem Wochenende über eine Woche lang kaum bewegen, und es tat alles weh, was irgendwie wehtun konnte.

Kurt Meran von Meranien 07.02.2008 (Lesung Im Budde-Haus Leipzig 2008)

*

Frauen haben immer RECHT
Gestern kam Heidi auf die blendende Idee, einen Bummel im Park zu machen. „Der Spaziergang wird dir gut tun“, sagte sie. Dabei musterte sie mich von oben bis unten und ergänzte: „Du könntest ruhig ein bisschen abnehmen.“ Ich schüttelte innerlich meinen Kopf, sagte aber nichts.
Vorgestern kam sie fast nackt aus dem Bad. Ohne ihre Bandagen, Korsett oder Korselett, der Teufel weiß wie das Zeug heißt. Da konnte ich so richtig sehen, wie sich ihre Figur entwickelt hatte. Und natürlich fragte sie: „Daggi bin ich zu dick?“ Was sollte ich antworten? Sage ich ja, gibt’s Krach! Sage ich nein, gibt’s auch Krach. Einmal hatte ich geantwortet: „Aber nein mein Schatz.“ Sie ging beglückt zu ihrer besten Freundin und kam verschnupft nach Hause. Knurrend erklärte sie: „Du bist zu nichts zu gebrauchen. Aber das du mich auch noch beschwindeln musst…“ Sie hatte die ominöse Frage natürlich ihrer Freundin gestellt. Freundinnen dürfen ehrlich antworten. Auch wenn die Antwort negativ ausfällt. Ich sagte deshalb sehr diplomatisch, wie ich mir einbildete: „Steig auf die Waage. Stell aber vorher auf deinen Namen. Da habe ich Alter und Größe gespeichert.“ Heidi stutzte und fragte: „Und was bedeutet das?“ „Die Waage errechnet das Idealgewicht, den Wasseranteil, die Knochenmasse und den Fettanteil in Prozenten!“ Das mit dem Fettanteil hätte ich besser nicht sagen sollen! Heidi stürzte sofort ans Telefon und führte ein Ringgespräch mit allen ihren Freundinnen.
Dann tat sie den ganzen Tag den Mund nicht mehr auf. Wenn Heidi schmollt oder den ganzen Tag meckert, dann ist das fast nicht zum Aushalten. Aber einen ganzen Tag kein Wort, das ist das Entsetzlichste was man erleben kann. Dazu kamen noch die blöden Fragen von Jana, Cora und Janas Freund.
Wir „bummelten“ durch den Park. Als wir losgegangen waren, hatte es angefangen zu regnen. Heidis für den Bummel Zurechtmachen hatte eine geschlagene Stunde gebraucht. Als sie den Spaziergang vorschlug, schien noch die Sonne. Sonst hätte ich mich nicht breitschlagen lassen. Es regnete immer mehr. Ich gehe nicht gern bei Nässe spazieren, da ich nie einen Regenschirm benutze. Heidi hatte ihren Knirps aufgespannt und lachte mich aus. „Regen tut dir gut. Du wirkst dann schlanker.“ Um mir solchen Blödsinn nicht mehr anhören zu müssen, beschleunigte ich meine Schritte. „Renn nicht so. Wenn du stolperst und fällst, rollst du bestimmt ins Gebüsch.“ Ich sagte nichts, denn ich hatte ein andres Problem. Immer wenn ich meinen rechten Fuß aufsetzte, gaben meine Schuhe einen komischen Laut von sich. Es quietschte oder quatschte. Was war das? Ich blieb an einer Bank stehen und holte eine Plastetüte aus meiner Jackentasche. Habe ich immer beim Spazierengehen einstecken. Legte die Tüte auf die Bank. Setzte mich und kontrollierte meine Schuhe. Es war nichts zu sehen. Sie waren glatt, blank und ganz. Warum dann diese Geräusche? Heidi war einfach weitergegangen. Meine Probleme, egal welche, interessierten sie nie. Solange ich sie nicht direkt ansprach und um Hilfe bat, reagierte sie nicht. Zu Hause hatte ich dann meine Schuhe wie üblich auf den Schuhabtropfer gestellt. Als ich sie putzen wollte, stellte ich zu meiner Verblüffung fest, dass der rechte Schuh im Absatz ein Riesenloch hatte. Der untere Teil des Luftpolsters, oder das Polster selbst, hatte sich gelöst und verkrümelt. Deshalb die komischen Geräusche und mein nasser Fuß.
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Eines Morgens hatte ich mehrere Überraschungen erlebt. Heidi hatte mich geweckt und war zu mir unter die Bettdecke gekommen. Wir schliefen seit Jahren getrennt. Dass sie ohne Anforderung in mein Bett kam, war mir noch nie vorgekommen. Als ich später ins Bad wollte, war dies besetzt. Das war mir vollkommen rätselhaft. Wie ich schon erzählt hatte, bewohnten wir ja zwei Wohneinheiten. Heidi und Jana die größere. Cora und ich die kleinere. Cora schlief noch. Wer war da in meinem Bad? Ich ging durch die Verbindungstür in die andre Wohnung. Dieses Bad war auch besetzt. Heidi war in der Küche. Also musste Jana im Bad sein. Wer war in meinem Bad? Ich ging zurück und klopfte. Nichts! Also holte ich Werkzeug. Als Cora und ich in die zweite Wohnung zogen, war immer einmal die Tür blockiert, da Cora manchmal den Riegel vorschob und nicht mehr zurückbekam. Ich musste dann die selbstgefangene Cora befreien. Die Tür ging auf und ich erstarrte! Im Bad war ein fremder junger Mann! Im sofort angestellten Verhör kam heraus, dass es Janas Freund war. Am Abend tagte dann der Familienrat. Ich verbat mir die Blockierung meines Bades. Cora fiel mir in den Rücken und sagte frech: „ Papi, das ist nicht dein Bad. Das ist unser Bad. Du kannst nicht allein darüber bestimmen!“ Heidi und Jana grinsten. „Bis jetzt war das Bad früh immer frei. Ich muss schließlich zeitig zur Arbeit. Und deshalb muss ich morgens freien Zugang haben!“ „Du kannst ja früher aufstehen!“ Ich sagte nichts mehr. Der Familienrat beschloss, dass jedes Familienmitglied das Bad benutzen konnte, welches gerade frei war. „Fremde gehören nicht zur Familie!“
Es wurde einfach umformuliert: „Jeder Anwesende …!“
Bei einem Streit hatte ich zu Heidi gesagt: „Wieso hat Jana schon einen Bettgenossen. Ist das nicht ein bisschen zeitig?“ Heidi hatte schnippisch geantwortet: „Sie ist ihres Vaters Tochter. Hast du nicht auch sehr zeitig angefangen?“ Diesem Argument hatte ich nichts entgegen zu setzen.
Die sogenannte Familie konnte mich mal gerne haben. Ich reagierte auf diese Frechheiten und richtete mein Exil ein! Als wir noch zu dritt waren und Jana nicht zum aushalten schrie, hatte ich mir unsere Bodenkammer ausgebaut. Polsterbett, Tisch, Heizkörper, Bücherregal, Waschbecken, Wasserleitung, Nachttopf, Licht. Mehr brauchte ich nicht. War lange nicht benutzt. Ich entfernte den Staub, kehrte und wischte. Installierte einen kleinen Kühlschrank und einen Fernseher. Wenn ich dann merkte, dass Janas Freund nach dem Abendbrot blieb, verschwand ich nach oben. Ungestört konnte ich mich morgens fertig machen und zur Arbeit gehen.
Nach nur zwei Wochenenden bemerkte die Familie, dass ein Mitglied abends fehlte. Die gesamte Bagage inklusive Janas Freund, stattete mir einen Besuch ab. Janas Kerl fand mein Exil spitze und machte den Vorschlag, dass Jana und er doch diese Kammer nutzen könnten. „Es wird eine breitere Liege aufgestellt und der Alte kann in seinem Bett schlafen!“ Ich sagte: „Von mir aus. Ich habe sowieso in der Wohnung ein Bett. Darum geht es auch nicht. Es geht nur um das morgendliche Duschen und Rasieren. Wo wollt ihr euch denn fertigmachen, wenn ihr hier schlaft?“ „Natürlich in einem der Bäder.“ „Und warum dann hier oben schlafen, wenn ihr unten Duschen wollt?“ „Warum wohl? Ihr habt zwei Wohnungen. Warum sollen Jana und ich nicht auch etwas für uns allein haben? Hier sind wir ungestörter.“ Nur wir zwei Männer diskutierten. Die drei Weiber waren still! Ich richtete mich kerzengrade auf und sagte unmissverständlich: „Wenn ihr eigene Räume haben wollt, dann kann Jana ja ausziehen!" Jetzt wachten die drei auf! „So weit kommt es noch“, knurrte Heidi. Cora starrte mich mit großen Augen an und sagte: „Aber Vati, so kenne ich dich doch gar nicht.“ Jana sagte laut, sehr laut: „Du Rabenvater kannst ja ausziehen!“
Es klopfte an die Tür. Mayer aus der dritten Etage. Er schaute sich staunend um und sagte: „Mensch Dagoperth, das ist ja eine tolle Überraschung. Die ganze Familie mit Zuwachs hier drin. Macht ihr ein Meeting? Dann aber nicht so laut!“ Er verschwand. „Ich bleibe dabei. Wenn jemand auszieht, dann Jana. Diskutiert das wo anders aus. Sagt mir Bescheid. Ich bleibe so lange hier oben.“ Mit ausgebreiteten Armen schob ich alle aus dem Raum. Sie gingen zögernd zur Treppe. Während ich mich auszog klopfte es wieder. Schon wieder Mayer. Mit ein paar Flaschen Bier. Am nächsten Nachmittag, ich war nicht in die Wohnung gegangen, kam Heidi zu mir in die Kammer. Nach kurzer Diskussion warf ich sie raus. Am folgenden Wochenende bekam ich wieder Familienbesuch. Ohne Freund. Jana heulte. Heidi sagte bitterböse: „Wegen dir hat Klaus mit Jana schlussgemacht!“ „Wieso wegen mir?“ Jana sagte schluchzend: „Klausi will nicht so einen Rabenvater in seiner Familie haben.“ „Passt einmal auf, ich ziehe ganz aus. Dann könnt ihr machen was ihr wollt! Und jetzt raus!“
Eine Stunde später saß Klausi neben mir auf dem Polsterbett. Er hatte Bier und Essen vom Italiener mitgebracht. „Du bist ja ein Schlaufuchs! Wenn’s Probleme gibt, tauchst du hier unter. Ich habe mit Jana schlussgemacht. Aber nicht weil du Ärger gemacht hast, sondern weil deine Olle überall rumschnüffelte, meine Sachen durchwühlt hat und immer das letzte Wort hatte. Außerdem hat sie nachts an der Türe gehorcht.“ Ich grinste. Er fuhr fort: „Jana ist zickig und wird bestimmt so wie ihre Alte. Ich wünsche Dir viel Vergnügen mit den Weibern.“ Trank sein Bier aus und ging.
Zusammen mit Mayer baute ich seine Bodenkammer aus und meine um. Schließlich machten wir aus zweien eine. Wenn Mayer oder ich Ärger in Familie haben, geht’s ab auf den Boden.
Bis später Euer Dagoperth 31.Januar 2012

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