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10. Wochenendgeschichte 28.10.2017

Der Schwiegersohn

Wenn das Gespräch auf Schwiegersöhne kam, setzte Karl immer eine grimmige Miene auf. Eines Tages fragte seine Bekannte Jasmin einmal nach dem Grund.

Karl erzählte.

"Meine Tochter Carla ist in Hässwiese verheiratet. Sie lebt dort mit ihrem Mann Jochen und ihrer Tochter Jessica in einem eigenen Haus.
Hässwiese ist ein kleiner Ort im Brandenburgischen. Es besteht aus einem alten und einem neuen Ortsteil. Natürlich gibt es ein Schloss. Die Kirche steht im alten Ortskern mit Katen und kleinen Siedlungshäusern. Im neuen Ortsteil wurden rund um die neugebaute Schule und den Kindergarten moderne Einfamilienhäuser gebaut.
Die Familie wohnt in einer engen Straße. So eng, dass sich Autos nicht begegnen können. Die Vorgärten sind sehr breit. Neben jedem Haus – Doppelhaus - steht ein Carport. Die Carports sind offen. Hinter jedem Haus gibt es einen kleinen Garten mit Terrasse direkt am Haus. Man kann durch den Carport und durch den Garten ins Haus gehen.
Die Häuser sind Einheitsbauweise mit Erdgeschoss und zwei Etagen.
Im Erdgeschoss gibt es eine Gästetoilette mit Waschbecken, ein großes Wohnzimmer und eine amerikanische Küche. Vom Wohnzimmer aus gelangt man auf die Terrasse und zu den Stockwerken.

Die amerikanische Küche macht sich toll beim Kochen und Braten.
Trotz einer Abzugshaube weht beim Kochen und Braten der Küchendunst durchs ganze Haus. Die Treppe ist vom Wohnzimmer durch einen schweren, dichten Vorhang getrennt. Der jeden Laut schluckt und Wärme dämmt. Aber nur nachts zugezogen wird.
In der ersten Etage sind das Schlafzimmer, das Kinderzimmer, ein Gästezimmer und das Bad. In der zweiten Etage ist das Arbeitszimmer von Jochen.

Ich bin einige Male in Hässwiese gewesen.

In der ersten Zeit parkte ich mein Auto auch unter dem Carport.
Kam ich an, bevor Jochen da war und fuhr mein Auto rein, kam er dann immer mit grimmiger Miene, wütend schnaubend ins Zimmer. Verlangte knurrend meinen Autoschlüssel und rangierte die Autos um. Seins als erstes, meins als zweites unter dem Carport.
Wenn ich wegfuhr, musste er mein Auto auf die Straße fahren. Es war riskant, wenn ich selbst rausfuhr. Jochen schimpfte mich dann einen Versager, wenn ich den gegenüberliegenden Vorgarten touchierte. Fuhr er mein Auto auf die Straße, landete er regelmäßig im anderen Vorgarten.

Ich gewöhnte es mir später an, mein Auto am Ende der Straße abzustellen. Da war es keinem im Weg und ich konnte problemlos hin und herfahren.
Noch später übernachtete ich meistens im Nachbarort und kam nur zum Essen nach Hässwiese.

Samstagsmorgen stand Jochen erst gegen zehn Uhr auf. Bis dahin hatte im Haus absolute Stille zu herrschen. Damit er mitbekam, ob jemand sein Gebot übertrat, stand die Schlafzimmertür auf. Nach dem Aufstehen musste so schnell wie möglich Toilette gemacht werden. Er natürlich als Erster. Dann kam seine Frau, dann die Tochter und zu letzt der Gast. Wurde diese Reihenfolge nicht eingehalten, gab es Krach. Wollte der Gast auf Toilette, musste er, auch nachts, die Gästetoilette im Erdgeschoss benutzen. Die wurde nicht beheizt und hatte ein Fensterchen zur Straße, welches meist offenstand. Das war vor allem morgens sehr angenehm. Solange ich im Haus schlief, benutzte ich sie immer und machte in ihr, nach schlechter Erfahrung im Bad, auch Katzenwäsche.

Im gesamten Haus wurde gespart. Die Temperatur lag in allen Räumen, zu jeder Jahreszeit im Durchschnitt bei fünfzehn Grad. Dabei von sieben Uhr bis siebzehn Uhr bei dreizehn  Grad. Jochen schimpfte immer mit seiner Frau, wenn er feststellte, dass es im obersten Zimmer wärmer als im Wohnzimmer war. Angeblich hatte sie im oberen Zimmer, dort stellte sie bei schlechtem Wetter oder nachts den Wäscheständer auf, die Heizung hochgedreht. Dass Wärme nach oben steigt, konnte er nicht begreifen.
Ab zwanzig Uhr wurde in Familie ferngesehen. Alle platzierten sich auf der großen Eckcouch im Wohnzimmer. Morgens kroch Jochen auf dem Fußboden herum und suchte nach Kratzern im Parkettfußboden und nach Krümeln auf der Couch.

Interessant war das Verhalten der Familie nach meiner Ankunft. Ich trudelte meist nach Siebzehnuhr ein.
Meine Tochter Carla sagte nur: „Setz Dich.“ Gemeint war, ich sollte mich im Wohnzimmer auf den linken Rand der Couch setzen. Damit der Bezug nicht lädiert wurde, lag dort eine alte Schlafdecke. Jochen bekam ich bis zum Abendessen um neunzehn Uhr nicht zu Gesicht. Jessica kam kurz zu mir. Gab mir ein Kuss und verschwand wieder in ihr Zimmer. Zu Essen oder etwas zu trinken bekam ich nach meiner Ankunft nicht. Selbst durfte ich mir auch nichts nehmen. Die Getränke lagerten in einer kleinen Abstellkammer neben der Treppe. Die Kammer durfte ich nicht betreten. Ebenfalls war es verboten, in der Küche etwas anzufassen. Ich hatte einmal Samstagsmorgens eine Tasse Wasser getrunken. Als ich sie in die Spülmaschine tat, erwischte ich das falsche Fach. Als Jochen sie später ausräumte, regte er sich darüber furchtbar auf. Ich hatte nicht den Mut zuzugeben, dass ich der Sünder gewesen bin. Ich rührte danach absolut nichts mehr an. Alles, selbst die Fernsehzeitung, hatte seinen bestimmten wohl unsichtbar markierten Platz, der unbedingt zu beachten war.

Beim Abendbrot passte Jochen auf, dass ich nicht zu viel in mich aufnahm. Genauso, wie er mir abends die Getränke zuteilte. Meist bekam ich, als Weintrinker, zwei, drei Glas Wein. Einmal hatte ich leider drei Flaschen Bier getrunken. Das nahm er mir übel und sagte es mir auch sehr deutlich: „Für Dich ist Wein da. Das Bier trinken wir.“
Dass ich selbst aufpasste und nicht zu viel trank, wenn ich am anderen Morgen wieder wegfuhr, interessierte ihn nicht. Kam ich zu Geburtstagen und er hatte seine Kollegen und Freunde eingeladen, durfte ich an den Feiern nicht teilnehmen. Einmal hatte ich ihm am Vorabend der Feierlichkeiten ein wertvolles Sachbuch geschenkt, welches nicht im Handel erhältlich war. Er freute sich sehr, sagte dann aber: „Morgen Nachmittag kommen meine Freunde zur Feier. Du kennst sie nicht. Deshalb fährst du spätestens morgen Mittag wieder heim.“ Ich freute mich sehr und verlies die ungastliche Stätte schon am nächsten Morgen vor dem Frühstück.

Als ich sehr viel später dass nächste Mal dort war, wurde ich bereits am selben Tag entfernt. Wir hatten schön Abendbrot gegessen. Während des Essens hatte er meine Stimmung aufgefrischt, in dem er sagte: „Du hast aber viel Chili con Carne gegessen. Soll Carla Dir noch welches machen?“ Ich verzichtete und aß gar nichts mehr. Als ich mich auf meinem Stammplatz am Rand der Couch niedergelassen hatte, erfolgte der Rauswurf. Er knallte einen Kasten auf den Tisch und sagte: „Wir sind zum Spielen beim Nachbarn eingeladen. Komm gut heim!“

Danach ließ ich mich mehrere Jahre nicht mehr sehen.

Eines Tages bekam ich eine Einladung nach Hässwiese.
Ich sollte Freitagsnachmittags da sein. Als ich nach dem Grund fragte, meinte Carla: „Jessicas Geburtstag.“ Das kam mir zwar ein wenig spanisch vor, denn zu ihrem Geburtstag war ich noch nie eingeladen worden, aber ich sagte zu.

Und was nun folgte, war ausgesprochen lustig!
Ich kam am Freitag um Fünfzehnuhr an. Parkte meinen Wagen am Ende der Straße und ging zum Haus. Vom Küchenfenster, auf der Straßenseite des Hauses, kann man durch das Wohnzimmer auf die Terrasse sehen. Die breite stählerne Jalousie, die abends das Wohnzimmer von der Terrasse aus schützt, war unten. Das war auch so eine Einrichtung, die mit einem Tabu belegt war. Nur Familienmitglieder durften die Jalousie schließen oder öffnen. Ich nicht!
Ich klingelte. Mehrmals. Nichts rührte sich. Als ich schon wieder gehen wollte kam Carla im Bademantel zur Tür. Sie raunzte: „Musst Du ausgerechnet kommen, wenn ich dusche!“ „Ich kann ja wieder gehen.“ „Komm endlich rein, ich will mich nicht erkälten.“ Im winzigen Vorraum, Diele konnte man dies nicht nennen, zog ich meine Schuhe aus. In, an und um die Schuhablage herum lümmelten Dutzende von Schuhen. „Setz Dich.“ Das hätte Carla gar nicht sagen brauchen. Ich setzte mich automatisch auf meinen Stammplatz. Es war dämmrig. Licht kam nur durch ein schmales Fenster von der Carportseite. „Jochen ist noch nicht da.“ Das hätte sie auch nicht sagen brauchen. Sein Auto stand nicht unter dem Carport.
Ich saß etwa eine Stunde herum. Jessica tauchte nicht auf. Carla hatte zu tun. Sie ging mehrmals in die anderen Etagen. Jochen kam. Fuhr sein Auto unter den Carport, später wieder weg. Begrüßte mich aber nicht. Es wurde still im Haus. Als mir die doch ungewöhnliche Stille auffiel, ging ich Jochens Familie suchen.

Ich war allein im Haus!

Wo waren Carla und Jochen? Wo war Jessica?
Unsicher zückte ich mein Handy. Jochen. Es meldete sich die Mailbox. Carla. Kein Anschluss. Jessica – Mailbox. Was sollte ich tun?

Wie kam ich hier raus? Ich versuchte, die Jalousie zu öffnen. Das Mist ding wurde elektrisch bedient und der Kasten war verschlossen.
Das Fenster zum Carport hatte nichts zum Öffnen. Die Haustür war verschlossen.
Ich probierte alle Schlüssel die ich hatte. Keiner passte. Das Küchenfenster war ebenfalls gesichert. Durch das Fensterloch der Gästetoilette passte ich nicht.
Ich suchte in allen Räumen nach einem Schlüssel für die Haustür. Zwischendurch versuchte ich anzurufen. Nichts. Im Abstellraum fand ich schließlich in einer Dose einen Schlüsselbund. Aufatmend stellte ich fest, dass einer der Schlüssel zur Haustür passte. Die Haustür hatte ein Schnappschloss. Ich konnte sie also von außen zuziehen. Nach dem Verschwinden der Familie mussten vielleicht zwei bis drei Stunden vergangen sein, als ich mit meinem Auto Richtung Heimat fuhr.

Auf dem Wohnzimmertisch hatte ich zwei Nachrichten hinterlassen.

Mit einer bedankte ich mich für die Einladung und den angenehmen Aufenthalt.

Auf der anderen, für Jessica hatte ich geschrieben: „Liebe Jessica. Du hattest einmal davon geschwärmt, einen eigenen, vom Vater unabhängigen Computer dein eigen nennen zu können. Ich hatte für Dich einen Geschenkgutschein für einen modernen Computer gekauft. Da Du aber heute, zu Deinem Geburtstag nicht zu hause gewesen bist, nehme ich ihn wieder mit. Für mein vorjähriges Geschenk hast Du Dich noch nicht einmal bedankt! Viele liebe Grüße Opa."

Als ich Hunger bekam, verließ ich die Autobahn und fand einen kleinen Gasthof. Dort freundete ich mich mit der Lehrerin der Dorfschule an. Deshalb blieb ich zwei Wochen im Ort. Den Gutschein schenkte ich der Schule.

Als ich nach Hause kam, quoll mein Briefkasten über.

Des Rätsels Lösung: Jessicas Geburtstag sollte in Spangen bei Cuxhaven gefeiert werden. Dort lebte Oma Mareike. Mareike und ich hatten uns vor vielen Jahren scheiden lassen. Jessica hatte Urlaub und war schon dort. Jochen und Carla wollten mich als Überraschungsgast mitnehmen.
Als sie in Spangen ankamen, fragte Jochen Mareike nach mir. Mareike soll gesagt haben: „Was soll der Kerl hier? Ich hätte mich zwar gefreut, aber schade ist es nicht, dass er nicht da ist. Wie kommt ihr überhaupt darauf, dass er hier sein könnte?“ Da erst dachte Carla an mich. „Opa wird doch nicht noch auf dem Sofa sitzen?“ Jessica meinte: „Bestimmt hat er ein schönes Geschenk für mich dabei. Fahrt schnell zurück und holt ihn.“

Nun gab es erst einmal einen heftigen Ehekrach. Beide beschuldigten sich der Unachtsamkeit. Mareike wollte sich totlachen und Jessica flennte.
Dann versuchten sie mich anzurufen. Während der Fahrt telefoniere ich nie. Deshalb bleibt mein Handy aus.
Danach riefen sie im Haus und bei den Nachbarn an. Ein Straßenbewohner hatte gesehen, dass ich gegen siebzehn Uhr vorbeigefahren war. Entsprechend meiner Fahrweise musste ich schon lange zu Hause sein. Also riefen sie auch bei mir an. Da sie mich nicht erreichten, wurden sie unruhig. Sagten sich aber dann, das Unkraut nicht vergeht und feierten allein.

Als sie am Sonntagabend zurück kamen und meine Nachrichten lasen, ging das Theater weiter. Jessica flennte. Jochen und Carla schrien herum.

Seit dem ist, außer zu den Geburtstagen, Funkstille.

Jessica ruft nicht mehr an. Jochen hat mich noch nie angerufen. Wenn telefoniert wird – Geburtstagsgrüße - dann sprechen nur Carla und ich zusammen."

Nach diesem Bericht verstanden Jasmin und alle anderen, warum sich Karls Miene verdüsterte, wenn über Familienprobleme gesprochen wurde. Rücksichtsvoll wurden sie in seiner Gegenwart nicht mehr erwähnt.

Sehr lange nach diesem Bericht fragte Jasmin einmal, ob sich Karl nicht mit seinem Schwiegersohn versöhnen wolle.

Karl sah Jasmin verdutzt an und sagte erstaunt: „Schwiegersohn, was für einen Schwiegersohn? Ich habe keinen.“


Kurt Meran von Meranien 15.11.2010


*

8.Wochenendgeschichte

Gold im Haar (Aus Anne erzählt)

Nach dem Erlebnis im Orchideenhaus, waren alle gespannt, wann der Blütenstaub abgewaschen sein werde. Ich hatte unter einer riesengroßen gelben Blume stehend, so viel Blütenstaub abbekommen, dass mein ganzer Körper bedeckt war.

Die Bienen hatten dann den größten Teil abgeleckt. Aus den Kopfhaaren ging der Blütenstaub weg, als ich mir meine Haare wusch. Aber der gelbe Blütenstaub, der auf meinen Schamhaaren war, ging nicht weg. Obwohl ich mich intensiv wusch, war nichts zu machen. Abrasieren wollte ich die Haare nicht.

Als ich eines Freitags wie üblich in den botanischen Garten nach K kam, war ein mir fremder Herr anwesend. Friedrich stellte ihn als Botaniker vor. Dieser Botaniker, Herr Salem, wollte das mit meinen Schamhaaren nicht glauben. Er glaubte auch nicht, dass mich die gelbe Blume bestäubte. Nach einer hitzigen Debatte sollte ich Beweise antreten. Wir, Specks, Friedrich, Salem, Carry, Wolfgang und ich saßen im Salon des Verwaltungsgebäudes. Speck schlug vor, dass ich Salem die Reste des Staubes zeigen sollte. Ich hatte aber keine Lust, mich Salem nackt zu präsentieren. Außerdem, wo sollte ich mich entkleiden? In der Halle oder auf der Terrasse? Oder gar hier im Salon? Schließlich gab ich nach, drehte mich um und zog mich aus. Dann, ging ich zu Salem und präsentierte ihm meinen Schoß.

Der stierte mich an. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass er nicht mich ansehen sollte, sondern meine Schamhaare. Rot wie ein Feuermelder betrachtete er meinen Bauch. Dann fragte er, ob er mal anfassen dürfe. Mich nicht, meine Haare ja, antwortete ich lächelnd. Er griff in meinen Busch. Bewegte die Haare hin und her. Zog sie auseinander und rieb sie. Ich lachte und fragte, was er eigentlich mache. Ob er mich scharf machen wolle, oder ob das tatsächlich seine Methode wäre, den natürlichen Ursprung des goldenen Schimmers meiner Schamhaare zu erkunden. Salem, in Wellen errötend, zeigte sich zwar beeindruckt, wollte aber immer noch nicht glauben, was er sah.

Ich machte den Vorschlag, er solle sich im Hintergrund haltend überzeugen, dass mich die Blume überstäube. Er wollte aber erst einmal selbst probieren, ob sich die Farbe nicht auswaschen lasse. Ich zuckte mit den Schultern und wir gingen ins Erdgeschoßbad. Da im Bad kein Platz für sieben Personen war, kamen nur Salem, Frau Speck und Wolfgang mit. Ich stieg in die Wanne.

Salem wollte mich persönlich waschen. Das ließ Ria aber nicht zu. Sie machte meinen Bauch nass, seifte ihn gründlich ein und spülte ihn ab. Meine Schamhaare schimmerten weiter golden!

Nun wollte es Salem doch selbst probieren! Er betonte, dass er mich nicht sexuell belästigen wolle, sondern es sich um ein chemisches Experiment handle! Nun, wenn es sich um ein chemisches Experiment handle, so könne er natürlich alles machen was er wolle! Allerdings würde ich penetrieren ausschließen. Alle Anwesenden lachten. Salem nach einem Zögern auch.

Er wusch er mich. Dabei bemühte er sich, nur meine Schamhaare einzuseifen. Als ich schließlich abgetrocknet war, hatte das Schimmern nachgelassen, war aber immer noch da. Ich sagte laut, dass ich jetzt eine Erholungspause brauchte. Wenn mich jetzt noch jemand anfasst, bekomme ich einen Orgasmus! Experiment oder nicht, ich bin sexuell erregt.
Salem wollte mich aus der Wanne heben, und auf die Kommode setzen, damit die Beine abgetrocknet werden könnten. Dabei fuhr er mit den Händen, von den Oberschenkeln aufwärts über meine Hüften bis zur Taille. Dort bewegte er seine Hände hin und her, um die beste Stelle zum Hochheben zu suchen. Ich bekam Gefühle und lud mich immer mehr auf! Wolfgang und Ria waren schon beim Hinausgehen. Ich sagte zu Salem, nun machen sie schon.
Er hob mich hoch und setzte mich nach einer halben Drehung auf die Kommode. Als ich so vor ihm saß, konnte ich es mir nicht verkneifen, mich vorzubeugen, die Hände auf die Oberschenkel zu legen und meine Beine leicht zu öffnen. Hob eines der Beine an und streckte es ihm abgespreizt zum Abtrocknen hin. Schon wieder rot, trocknete er meine Beine ab.

Ich sprang von der Kommode, umarmte ihn, gab ihm einen Kuss auf die Wange und sagte danke. Verlegen sah er mir beim Anziehen zu. Als ich mir den Slip anzog, sagte ich zu ihm, stehen sie nicht so herum, legen sie mir den BH an. Er nahm diesen und hantierte so ungeschickt herum, dass ich ihn festhalten musste. Ich drehte ihm den Rücken zu und ließ den BH los. Der fiel runter. Er hob ihn auf und versuchte es noch einmal. Diesmal klappte es besser. Aber die rechte Brust lag nicht richtig im Körbchen. Nach einigen Fehlversuchen von ihm lagen die Brüste richtig. Nun musste er mir Rock und Bluse anziehen.

Als wir zurück in den Salon kamen, fragten sofort alle, was wir denn so lange gemacht hätten. ICH sagte, wir hätten das Experiment ausgewertet.

Nachdem meine Erregung abgeklungen war, wollten wir zu den Orchideen gehen. Speck fragte, ob ich mich nicht gleich hier wieder entkleiden wolle. Die Blumen am Weg würden sich doch darüber freuen. Wenn niemand mehr auf dem Gelände ist, ja. Ich will nicht vor allen Leuten splitternackt herumlaufen. Friedrich telefonierte. Dann sagte er, nur Rose ist noch da, sie wartet am Orchideenhaus.
Also stand ich auf, und ging mich langsam entkleidend, vor den Sitzenden hin und her. Als ich mir den Slip und dann den BH auszog, stand ich jeweils ihm voll zugewendet direkt vor Salem. Nackt drehte ich mich vor ihm mehrmals hin und her und sagte dann, los

Rose empfing uns im Vorbau des Orchideenhauses. Sie ließ sich Handys und Funkuhren geben, und legte allen Schutzmäntel an. Ria zögerte aber und meinte, sie würde sich erst ausziehen, da sie sonst zu sehr schwitzen würde. Rose wollte mit ihr in den Umkleideraum gehen. Ria sagte daraufhin, Quatsch, wir sind doch erwachsene Leute und unter uns, und zog sich einfach nackt aus. Dann legte sie den Mantel an, und ging mit den Anderen hinein. Als sich seine Frau so unbefangen ausgezogen hatte, bekam Speck einen roten Kopf und Salem wusste nicht, wo er vor Verlegenheit hinsehen sollte.

Rose führte alle herum, erzählte und warnte. Wirklich schoss die Pfeilblume ein paar Pfeile auf Salem und Speck ab. Der Schutzmantel ließ die Pfeile abprallen. Salem erschrak aber trotzdem fast zu Tode.
Als sie herauskamen, wankte Salem und musste sich erst einmal hinsetzen. Ria meinte, keine Müdigkeit vortäuschen, ausziehen und unter die Dusche.

Carry und Rose besahen sich Salem genau, nachdem er sich geduscht hatte. Er wagte keinen Protest, als die beiden Frauen ihn um und um drehten und von Kopf bis Fuß zentimeterweise abtasteten. Sie konnten aber keine Einstichstelle finden. Als Carry überzeugt war, das Salem in Ordnung war, gab sie ihm einen Patsch auf den nackten Hintern und er durfte sich in ihrer Gegenwart anziehen. Ria sah sich Ludwig an. Aber ihr Mann war auch nicht getroffen.

Als sich alle anderen ausgeruht und wieder angekleidet hatten. Schickte ich mich an, wie üblich splitternackt hinein zu gehen. Salem protestierte sofort energisch. Sie haben wohl Angst um mich? Es ist doch nur ein Experiment, sagte ich höhnisch! Alle dürfen bis zum durchsichtigen Vorhang gehen, aber keinen Schritt weiter! Egal was passiert.
Alles geschah, wie sonst auch. Lief mit tänzerischen Bewegungen, mich drehend und wiegend durch die Gänge. Sprach mit allen Pflanzen. Streichelte und küsste sie. Keine der Pflanzen griff mich an. Alle einigermaßen beweglichen Pflanzen nahmen meinen Rhythmus auf, und bewegten sich im Takt. Als ich mich unter der gelben Blume mehrmals herumdrehte, fiel nicht nur Staub, es regnete auch Blütenblätter! Ich war über und über mit goldgelbem Blütenstaub und Blättern bedeckt. Als ich nach einer Abkühlungspause vor den anderen stand, sah ich aus wie die Goldmarie! Alle sahen mich verwundert und bewundernd an.

Ich hatte mich auf einen Tisch gestellt, damit mich alle sehen konnten. Als in der Ferne eine Wolke auftauchte, ließ ich sie zurücktreten. Die Bienen kamen. Ich verbot, nach ihnen zu schlagen. Sie würden ihnen nichts tun, wenn die Leute ruhig blieben.
Der ganze große Schwarm huschte über mich hinweg. Der Blütenstaub verschwand zum größten Teil und die Blätter fielen herab. Nur meine Kopf- und die Schamhaare waren goldgelb gefärbt!
Ich winkte, sprang vom Tisch und ging mit Speck Richtung Haus.

Die Mitarbeiter gingen diskutierend nach Hause. Friedrich hatte auf der Terrasse eine Wanne aufstellen lassen. Ich stieg hinein, und Salem durfte mich sofort, des Experimentes wegen waschen. Ich trug ihm auf, meinen gesamten Körper gründlich zu waschen! Willig machte er sich ans Werk. Während ich mich mehr und mehr aufheizte mussten mich alle begutachten.

Ich gab ihnen auf, mich sofort zu bewerten. Wer meinen Anblick gut fand, sollte meinen Bauch küssen. Wer mich hervorragend fand, ich meinte natürlich den Goldschimmer, der sollte beide Brustwarzen küssen. Es kam fast, wie ich gedacht hatte. Specks, Wolfgang, Friedrich und Carry leckten mir die Brustwarzen ab. Salem hauchte Bauch und Brustwarzen an.

Danach wurde  mit Champagner noch ein bisschen gefeiert und einzelne Herren erfreuten sich in Nebenräumen an meiner goldenen Haarpracht.

Nach dem Diktat von Anneliese am 18.01.2007 von Kurt Meran von Meranien aufgeschrieben


*

5. Wochenendgeschichte 22.09.2017

Morgens? Aber nicht halb zehn in Leipzig

Fiviebert saß nackt auf der Kante seines Bettes und angelte mit den Füßen nach seinen Pantoffeln. Gähnend reckte er sich, und sah sich um. Überall lag Kleidung auf dem Boden. Viele Sachen, und das meiste davon waren eindeutig Frauensachen. Routinemäßig überprüfte er seine Umgebung. War er in seiner Wohnung? War die Brieftasche da? Hatte er Haare auf dem Kopf? Seit seiner wilden Zeit kontrollierte er das beim Aufstehen. Es war oft vorgekommen, dass er irgendwo aufgewacht war und nicht wusste wo. Das Brieftasche und Schlüsselbund fehlten, oder eine Glatze seinen Kopf zierte. Nun, heute war scheinbar alles in Ordnung. Bis auf die fremden Sachen!

Er stand auf, sortierte die herumliegende Kleidung, und besah sich sein französisches Bett. Das Laken sah furchtbar aus! An Hand der verschiedenen Sachen mussten sich zwei Frauen in der Wohnung aufhalten. Er sah in alle Ecken. Hier war keine. Er ging ins Bad, als dort Wasser rauschte. In der Wanne stand eine Frau und duschte. Eine Frau. Wo war die andere? Als die in der Wanne sich herumdrehte, erschrak er. Nun wusste er auch, wo sein Alptraum, und seine aufgeschlagenen Knie herkamen. Die Maus hatte einen herrlichen Körper, war aber grundhässlich. Ihm fiel schlagartig ein, dass er mal aufgewacht, ihr Gesicht gesehen hatte, und mit einem doppelten Salto mortale aus dem Bett gesprungen war. Aber eine ganz andere Sache quälte ihn. Wie kam diese Frau in seine Wohnung, und wo war die andere? Er gab ihr einen Kuss auf den Schenkel und bot an, ihr beim Duschen zu helfen. Sie schüttelte wie wild ihren Kopf und krächzte: „Nein, nein, nicht schon wieder!“ „Was heißt hier nicht schon wieder?“ „Ich kann immer noch nicht wieder richtig sprechen“, krächzte sie. Fiviebert wunderte sich. Was hatte einseifen mit sprechen zu tun? Er fragte: „Sag mal, wo ist die Andere hin?“ „Brötchen holen.“ Beim Aufräumen hatte er auf die Uhr gesehen. Es war 5! Da es Sommer war, war es draußen schon hell. „Wer geht denn früh um 5 Brötchen holen?“ Sie sah ihn verständnislos an. „Es ist nicht morgens um 5, es ist nachmittags!“ Er schluckte. Ging wortlos in das Wohnzimmer und sah auf die Funkuhr. 17,11 Uhr. Fiviebert begab sich wieder ins Bad. Er sagte kopfschüttelnd: „Samstagnachmittag um 5 gibt es hier auch nirgends frische Brötchen.“ Sie lachte und meinte, das habe sie nur so gesagt. Die hole Zigaretten. „Das ist eine Nichtraucherwohnung!“ „So? Komisch.“ „Was ist daran komisch?“ „Du rauchst doch wie ein Schlot.“ Schon wieder etwas Unverständliches. Er rauchte doch seit 8 Jahren nicht mehr! Ohne auf ihren krächzenden Protest zu achten, seifte er sie zügig ein. Er wollte gerade seine Wannenmasche abziehen, als es an der Haustür klingelte. Er meldete sich an der Sprechanlage. „Polizei, bitte öffnen“, sagte eine weibliche heisere Stimme. Fiviebert betätigte den Türöffner, öffnete aber nicht die Wohnungstür, sondern linste durch den Spion. Eine Frau in einem langen Jeanshemd. Sie kam zu seiner Tür und klingelte. Wer war das? Polizei, im Hemd? Er vergaß, dass er nichts an hatte und öffnete. Sie kam herein, ging an ihm vorbei ins Wohnzimmer, und legte Zigaretten und eine Schachtel Zigarren auf den Tisch. Er war ihr gefolgt und fragte: „Für wen sind die Zigarren, und wer sind sie?“ „Ich bin eine Frau, und die Zigarren sind für Dich!“ „Und wieso Polizei?“ „Du hättest doch sonst kaum aufgemacht.“ Er sah sie von oben bis unten an. Das Hemd kam ihm bekannt vor. Natürlich, es war ja auch seins. Er hatte die Ärmel über den Ellenbogen einfach abgeschnitten, als sie löchrig wurden. „Wo ist Siggi“ fragte sie.“ „Wer ist Siggi?“, fragte Fiviebert zurück. Sie sah ihn an und sagte: „Dir fehlt anscheinend der Film.“ Er nickte. Zusammen gingen sie ins Bad. Die andere, also anscheinend Siggi, trocknete sich, immer noch in der Wanne stehend, mit einem Badehandtuch ab. Die im Hemd sagte heiser: „Siggi, kannst du dir das vorstellen, Fiffi fehlt der Film. Er kennt uns nicht, und weiß nicht wie wir hierhergekommen sind!“ Die andere nickte grinsend. Die im Hemd sagte zu Fiviebert: „Du musst Siggi doch noch von Früher kennen! So ein Gesicht vergisst man nicht.“ Der heranfliegenden Handbürste wich sie geschickt aus und lachte. Er verstand immer noch nicht. „Mensch, erinnere dich! Siggi wohnt in Wahren und ihr habt's schon x-mal miteinander getrieben!“ Fiviebert fiel vor Erstaunen fast in die Badewanne. Natürlich. Wie konnte er die Maus vergessen. Die war doch scharf wie eine Rasierklinge und wild wie eine Nonne gewesen. Aber hübscher war sie nicht geworden. Sie hatte immer noch rosarote Kopfhaut. Dünne weißblonde Haare. Der Mund reichte von einem Ohr zum Anderem. Und X-er hatte sie auch immer noch. Aber wieso waren die Beiden so heißer? Und den Namen der anderen wusste er immer noch nicht. Diese knöpfte gerade das Hemd auf und zog es aus. Sie hatte nichts drunter! Er bekam Stielaugen, und fragte: „So warst du Einkaufen?“ Sie nickte lachend, und stieg in die Wanne. Er sagte laut: „Einmal einseifen bitte“, und wollte beginnen. Auch sie protestierte. Als sie fertig war, lehnte sie auch sein Angebot, ihr aus der Wanne zu helfen kategorisch ab. „Einmal reicht!“ Er sah sie jetzt einmal genau an. Beide hatten ihre Bikinizone glattrasiert. Wie er das hasste! Erstens fehlte das Schönste, und zweitens konnten sich doch auf der glatten Haut die Sexuallockstoffe nicht lange halten. Allerdings in dem Alter? Er beschloss, seinen Arzt einmal zu fragen, wann die Lockstoffe ihren Dienst einstellten. Die Frauen wollten frühstücken. Fiviebert zog seinen Hausanzug an, und bestand darauf, dass die Beiden Bademantel und Hausmantel von ihm anlegten. Siggi sagte: „Zieh nicht so viel an, wir sind noch nicht fertig!“ Beim Frühstücken erzählten sie ihm was gewesen war.
Fiviebert hörte entsetzt zu.
Er wusste nur noch, dass er Freitagnachmittag im Park spazieren gegangen war. Er hatte seinen Spaziergang immer weiter ausgedehnt, und war in einem Biergarten gelandet. Alle Tische waren besetzt. Nur an einem Tisch war noch etwas frei. Obwohl an diesem Tisch zwei Frauen saßen, hatte er nach höflicher Frage mutig Platz genommen. Nach längerer fröhlicher Unterhaltung waren sie gegangen, und Richtung Stadt spaziert. Unterwegs wurde noch eingekehrt.
Von da ab fehlte ihm der Film.
Sie hatten ihn in eine Disco geschleift. Dort hatten sie getanzt, gequatscht und geraucht. Er hätte eine Zigarre nach der anderen gequalmt. Zu später oder auch früher Stunde wollten sie nach Hause. Fiviebert wollte unbedingt noch etwas zu trinken mitnehmen, hätte aber kein Geld mehr gehabt. Als Pfand für die 2 Flaschen Wein, Málaga und Ramos Pinto, hätte er seinen Personalausweis dem Wirt gegeben. Fiviebert's Haare stellten sich auf, als die Frauen das erzählten. Unauffällig sah in seine Brieftasche. Der PA war an seinem Platz. Und Geld war auch genug da. Was erzählten die denn für Zeug? Da Fiviebert nach der Disco nicht mehr allein laufen konnte, hätten sie ihn nach Hause gebracht. Unterwegs hätte er sich soweit erholt, dass seine Unternehmungslust wieder erwachte. Die Frauen mussten zu Hause bei ihm in die Wanne und duschen. Er hätte sie eingeseift, dabei massiert, nicht aus der Wanne gelassen, und furchtbar gekitzelt. Sie hätten so gestöhnt und geschrien dass die Nachbarn an Tür und Wände geklopft hatten. Dann hätte er ihnen im Bett den Wein zuerst in den Nabel und dann woanders hin gegossen und mit einem Trinkhalm aufgesaugt. Es würde immer noch überall kleben.
Fiviebert stöhnte. Da konnte er sich von seinen Nachbarn ja was anhören.
Die andere sagte: „Ich habe vorhin etwas Geld zum Einholen genommen, das hier so rumlag. Du könntest mir mein Zeug mal wiedergeben.“ „Was für Zeug?“ Siggi sagte: „Carrys Handtasche ist doch kaputt gegangen. Du hast ihr Zeug in deine Jacke gesteckt, und wolltest die Tasche später reparieren.“ Fiviebert holte seine Jacke. Er förderte ein kleines Taschentuch, Kosmetikkrimskram und ein paar Eus zu tage. Carry fragte: „Und wo ist mein Personalausweis?“ „Hier nicht.“ Carry schluckte und fing plötzlich an zu schreien. „Du hast doch nicht etwa meinen PA dem Wirt gegeben?“ Fiviebert bot kleinlaut an, mit ihr zusammen hinzugehen. Siggi meinte, aber erst steigst du in die Wanne, und dann geht es dir schlecht! Solltest du danach noch leben, gehen wir drei zusammen hin.
Es wurde noch ein schönes abwechslungsreiches Wochenende.
Allerdings konnte Fiviebert sich nach diesem Wochenende über eine Woche lang kaum bewegen, und es tat alles weh, was irgendwie wehtun konnte.

Kurt Meran von Meranien 07.02.2008 (Lesung Im Budde-Haus Leipzig 2008)

*

Frauen haben immer RECHT
Gestern kam Heidi auf die blendende Idee, einen Bummel im Park zu machen. „Der Spaziergang wird dir gut tun“, sagte sie. Dabei musterte sie mich von oben bis unten und ergänzte: „Du könntest ruhig ein bisschen abnehmen.“ Ich schüttelte innerlich meinen Kopf, sagte aber nichts.
Vorgestern kam sie fast nackt aus dem Bad. Ohne ihre Bandagen, Korsett oder Korselett, der Teufel weiß wie das Zeug heißt. Da konnte ich so richtig sehen, wie sich ihre Figur entwickelt hatte. Und natürlich fragte sie: „Daggi bin ich zu dick?“ Was sollte ich antworten? Sage ich ja, gibt’s Krach! Sage ich nein, gibt’s auch Krach. Einmal hatte ich geantwortet: „Aber nein mein Schatz.“ Sie ging beglückt zu ihrer besten Freundin und kam verschnupft nach Hause. Knurrend erklärte sie: „Du bist zu nichts zu gebrauchen. Aber das du mich auch noch beschwindeln musst…“ Sie hatte die ominöse Frage natürlich ihrer Freundin gestellt. Freundinnen dürfen ehrlich antworten. Auch wenn die Antwort negativ ausfällt. Ich sagte deshalb sehr diplomatisch, wie ich mir einbildete: „Steig auf die Waage. Stell aber vorher auf deinen Namen. Da habe ich Alter und Größe gespeichert.“ Heidi stutzte und fragte: „Und was bedeutet das?“ „Die Waage errechnet das Idealgewicht, den Wasseranteil, die Knochenmasse und den Fettanteil in Prozenten!“ Das mit dem Fettanteil hätte ich besser nicht sagen sollen! Heidi stürzte sofort ans Telefon und führte ein Ringgespräch mit allen ihren Freundinnen.
Dann tat sie den ganzen Tag den Mund nicht mehr auf. Wenn Heidi schmollt oder den ganzen Tag meckert, dann ist das fast nicht zum Aushalten. Aber einen ganzen Tag kein Wort, das ist das Entsetzlichste was man erleben kann. Dazu kamen noch die blöden Fragen von Jana, Cora und Janas Freund.
Wir „bummelten“ durch den Park. Als wir losgegangen waren, hatte es angefangen zu regnen. Heidis für den Bummel Zurechtmachen hatte eine geschlagene Stunde gebraucht. Als sie den Spaziergang vorschlug, schien noch die Sonne. Sonst hätte ich mich nicht breitschlagen lassen. Es regnete immer mehr. Ich gehe nicht gern bei Nässe spazieren, da ich nie einen Regenschirm benutze. Heidi hatte ihren Knirps aufgespannt und lachte mich aus. „Regen tut dir gut. Du wirkst dann schlanker.“ Um mir solchen Blödsinn nicht mehr anhören zu müssen, beschleunigte ich meine Schritte. „Renn nicht so. Wenn du stolperst und fällst, rollst du bestimmt ins Gebüsch.“ Ich sagte nichts, denn ich hatte ein andres Problem. Immer wenn ich meinen rechten Fuß aufsetzte, gaben meine Schuhe einen komischen Laut von sich. Es quietschte oder quatschte. Was war das? Ich blieb an einer Bank stehen und holte eine Plastetüte aus meiner Jackentasche. Habe ich immer beim Spazierengehen einstecken. Legte die Tüte auf die Bank. Setzte mich und kontrollierte meine Schuhe. Es war nichts zu sehen. Sie waren glatt, blank und ganz. Warum dann diese Geräusche? Heidi war einfach weitergegangen. Meine Probleme, egal welche, interessierten sie nie. Solange ich sie nicht direkt ansprach und um Hilfe bat, reagierte sie nicht. Zu Hause hatte ich dann meine Schuhe wie üblich auf den Schuhabtropfer gestellt. Als ich sie putzen wollte, stellte ich zu meiner Verblüffung fest, dass der rechte Schuh im Absatz ein Riesenloch hatte. Der untere Teil des Luftpolsters, oder das Polster selbst, hatte sich gelöst und verkrümelt. Deshalb die komischen Geräusche und mein nasser Fuß.
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Eines Morgens hatte ich mehrere Überraschungen erlebt. Heidi hatte mich geweckt und war zu mir unter die Bettdecke gekommen. Wir schliefen seit Jahren getrennt. Dass sie ohne Anforderung in mein Bett kam, war mir noch nie vorgekommen. Als ich später ins Bad wollte, war dies besetzt. Das war mir vollkommen rätselhaft. Wie ich schon erzählt hatte, bewohnten wir ja zwei Wohneinheiten. Heidi und Jana die größere. Cora und ich die kleinere. Cora schlief noch. Wer war da in meinem Bad? Ich ging durch die Verbindungstür in die andre Wohnung. Dieses Bad war auch besetzt. Heidi war in der Küche. Also musste Jana im Bad sein. Wer war in meinem Bad? Ich ging zurück und klopfte. Nichts! Also holte ich Werkzeug. Als Cora und ich in die zweite Wohnung zogen, war immer einmal die Tür blockiert, da Cora manchmal den Riegel vorschob und nicht mehr zurückbekam. Ich musste dann die selbstgefangene Cora befreien. Die Tür ging auf und ich erstarrte! Im Bad war ein fremder junger Mann! Im sofort angestellten Verhör kam heraus, dass es Janas Freund war. Am Abend tagte dann der Familienrat. Ich verbat mir die Blockierung meines Bades. Cora fiel mir in den Rücken und sagte frech: „ Papi, das ist nicht dein Bad. Das ist unser Bad. Du kannst nicht allein darüber bestimmen!“ Heidi und Jana grinsten. „Bis jetzt war das Bad früh immer frei. Ich muss schließlich zeitig zur Arbeit. Und deshalb muss ich morgens freien Zugang haben!“ „Du kannst ja früher aufstehen!“ Ich sagte nichts mehr. Der Familienrat beschloss, dass jedes Familienmitglied das Bad benutzen konnte, welches gerade frei war. „Fremde gehören nicht zur Familie!“
Es wurde einfach umformuliert: „Jeder Anwesende …!“
Bei einem Streit hatte ich zu Heidi gesagt: „Wieso hat Jana schon einen Bettgenossen. Ist das nicht ein bisschen zeitig?“ Heidi hatte schnippisch geantwortet: „Sie ist ihres Vaters Tochter. Hast du nicht auch sehr zeitig angefangen?“ Diesem Argument hatte ich nichts entgegen zu setzen.
Die sogenannte Familie konnte mich mal gerne haben. Ich reagierte auf diese Frechheiten und richtete mein Exil ein! Als wir noch zu dritt waren und Jana nicht zum aushalten schrie, hatte ich mir unsere Bodenkammer ausgebaut. Polsterbett, Tisch, Heizkörper, Bücherregal, Waschbecken, Wasserleitung, Nachttopf, Licht. Mehr brauchte ich nicht. War lange nicht benutzt. Ich entfernte den Staub, kehrte und wischte. Installierte einen kleinen Kühlschrank und einen Fernseher. Wenn ich dann merkte, dass Janas Freund nach dem Abendbrot blieb, verschwand ich nach oben. Ungestört konnte ich mich morgens fertig machen und zur Arbeit gehen.
Nach nur zwei Wochenenden bemerkte die Familie, dass ein Mitglied abends fehlte. Die gesamte Bagage inklusive Janas Freund, stattete mir einen Besuch ab. Janas Kerl fand mein Exil spitze und machte den Vorschlag, dass Jana und er doch diese Kammer nutzen könnten. „Es wird eine breitere Liege aufgestellt und der Alte kann in seinem Bett schlafen!“ Ich sagte: „Von mir aus. Ich habe sowieso in der Wohnung ein Bett. Darum geht es auch nicht. Es geht nur um das morgendliche Duschen und Rasieren. Wo wollt ihr euch denn fertigmachen, wenn ihr hier schlaft?“ „Natürlich in einem der Bäder.“ „Und warum dann hier oben schlafen, wenn ihr unten Duschen wollt?“ „Warum wohl? Ihr habt zwei Wohnungen. Warum sollen Jana und ich nicht auch etwas für uns allein haben? Hier sind wir ungestörter.“ Nur wir zwei Männer diskutierten. Die drei Weiber waren still! Ich richtete mich kerzengrade auf und sagte unmissverständlich: „Wenn ihr eigene Räume haben wollt, dann kann Jana ja ausziehen!" Jetzt wachten die drei auf! „So weit kommt es noch“, knurrte Heidi. Cora starrte mich mit großen Augen an und sagte: „Aber Vati, so kenne ich dich doch gar nicht.“ Jana sagte laut, sehr laut: „Du Rabenvater kannst ja ausziehen!“
Es klopfte an die Tür. Mayer aus der dritten Etage. Er schaute sich staunend um und sagte: „Mensch Dagoperth, das ist ja eine tolle Überraschung. Die ganze Familie mit Zuwachs hier drin. Macht ihr ein Meeting? Dann aber nicht so laut!“ Er verschwand. „Ich bleibe dabei. Wenn jemand auszieht, dann Jana. Diskutiert das wo anders aus. Sagt mir Bescheid. Ich bleibe so lange hier oben.“ Mit ausgebreiteten Armen schob ich alle aus dem Raum. Sie gingen zögernd zur Treppe. Während ich mich auszog klopfte es wieder. Schon wieder Mayer. Mit ein paar Flaschen Bier. Am nächsten Nachmittag, ich war nicht in die Wohnung gegangen, kam Heidi zu mir in die Kammer. Nach kurzer Diskussion warf ich sie raus. Am folgenden Wochenende bekam ich wieder Familienbesuch. Ohne Freund. Jana heulte. Heidi sagte bitterböse: „Wegen dir hat Klaus mit Jana schlussgemacht!“ „Wieso wegen mir?“ Jana sagte schluchzend: „Klausi will nicht so einen Rabenvater in seiner Familie haben.“ „Passt einmal auf, ich ziehe ganz aus. Dann könnt ihr machen was ihr wollt! Und jetzt raus!“
Eine Stunde später saß Klausi neben mir auf dem Polsterbett. Er hatte Bier und Essen vom Italiener mitgebracht. „Du bist ja ein Schlaufuchs! Wenn’s Probleme gibt, tauchst du hier unter. Ich habe mit Jana schlussgemacht. Aber nicht weil du Ärger gemacht hast, sondern weil deine Olle überall rumschnüffelte, meine Sachen durchwühlt hat und immer das letzte Wort hatte. Außerdem hat sie nachts an der Türe gehorcht.“ Ich grinste. Er fuhr fort: „Jana ist zickig und wird bestimmt so wie ihre Alte. Ich wünsche Dir viel Vergnügen mit den Weibern.“ Trank sein Bier aus und ging.
Zusammen mit Mayer baute ich seine Bodenkammer aus und meine um. Schließlich machten wir aus zweien eine. Wenn Mayer oder ich Ärger in Familie haben, geht’s ab auf den Boden.
Bis später Euer Dagoperth 31.Januar 2012

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